Donnerstag, 20. Juli 2017

REWE legt neues Verkehrskonzept vor: Statt 134 LKW-Verkehre sollen nur noch 4 pro Tag stattfinden – in Henstedt-Ulzburg


Die REWE Region Nord verpflichtet sich freiwillig dazu, sämtliche REWE-bezogene LKW-Verkehre zeitlich unbefristet aus Henstedt-Ulzburg herauszuhalten mit Ausnahme des Belieferungsverkehrs zu den zwei innerörtlichen REWE-Märkten. Die LKW sollen direkt über die A7 geführt werden. Nach eigenen Angaben verursacht die neue Routenplanung Kosten in Höhe von 500.000 €. 

Eine Karte (Quelle: http://rewe-hu.de/rewe-region-nord-verkehrskonzept-henstedt-ulzburg-2-0/ [Stand: 20.07.2017]) zeigt die von REWE für LKW „gesperrten Straßenzüge“.

Die Vereinbarung greift, wenn die Baumaßnahmen an der A7 abgeschlossen sind.

Ferner heißt es auf der oben genannten Internetseite:

„Ausnahmsweise dürfen LKW von und zum REWE Regionallager Henstedt-Ulzburg die gesperrten Straßen nutzen, wenn auf der A7 eine Verkehrsbeeinträchtigung in Form eines Staus oder einer Sperrung besteht.“

Was bedeutet das für Kisdorf?
Die L233 (Ulzburger Straße, Sengel, Dorfstraße, Segeberger Straße) werden von REWE nicht für den LKW-Verkehr „gesperrt“. Wie viele der prognostizierten 58 LKW-Bewegungen über die Henstedter Straße geplant waren, ist Kisdorf direkt nicht bekannt, geht auch aus den bekannten Gutachten nicht hervor.



Kommentar (Andreas Lübker [20.07.2017])
Was so ein geplantes Bürgerbegehren doch alles auslösen kann! Kaum hat sich die Initiative mit der Kommunalaufsicht über den Text verständigt, den man den Bürgerinnen und Bürgern vorlegen will, schon kommt das „Verkehrskonzept Henstedt-Ulzburg 2.0“ um die Ecke. Die Angst muss groß sein, kosten die „Umwege“ doch laut REWE immerhin 500.000 €.

Die West-Ost-Achse über Kisdorf bleibt offen. Warum? Weil die Kisdorfer als rechtlich nicht Betroffene kein Bürgerbegehren gegen die Ansiedlung initiieren können. Welchen Lärm- und Abgasbelastungen die Kisdorfer Bürgerinnen und Bürger ausgesetzt sind, ist REWE und den Fraktionen in der Henstedt-Ulzburger Gemeindevertretung, die die Ansiedlung befürworten, offensichtlich herzlich egal. Als Lektüre sei das Gutachten zur Verkehrslärmbelastung der Gemeinde Kisdorf empfohlen, vielleicht überdenkt dann der eine oder andere glühende Logistikanhänger in der Gemeindevertretung von Henstedt-Ulzburg seine Position.

Und wie sind eigentlich die 704 Pkw- und 76 Lkw-Bewegungen durch Kaltenkirchen zu erklären? Lässt das Kaltenkirchen eigentlich kalt? Bürgermeister Wisch hat dazu klar Stellung bezogen. In der Segeberger Zeitung vom 19.07.2017 wird er auf S. 29 wie folgt zitiert:„Ich rechne mit 200 Lkws, die am Tag mitten bei uns durchs Dorf fahren“ und „…warum sollten Lkw-Fahrer den Weg über Kaltenkirchen nehmen?“ (Artikel: „Kisdorfer sind sauer über Rewe-Pläne“).

Und dann stellt sich die Frage: Wann ist ein Stau ein Stau? Denn bei Verkehrsbeeinträchtigungen und Sperrungen auf der A7 gilt die selbstauferlegte Sperrung nämlich nicht mehr. Da darf man dann auf die vertraglichen Formulierungen gespannt sein (Stau in km oder Minuten Zeitverzögerung?; Wer stellt fest?).

Und dann ist da auch noch das Gutachten zur Auswirkungsanalyse. Während REWE 888 Lkw als tägliches Verkehrsaufkommen benennt, fallen die Erwartungswerte auf Basis alternativer Berechnungsmethoden deutlich höher aus: 2.450 bzw. 1.363 tägliches Lkw-Verkehrsaufkommen wurden hier ermittelt (Folie 131 im Gutachten von Gertz, Gutsche, Rümenapp, siehe auch hier).

Fazit: Ein Logistikzentrum dieses Ausmaßes gehört an ein Autobahnkreuz, ab dem die LKW in alle Richtungen ausschwärmen können. Die Kolonnen durch Gemeinden wie Kisdorf oder auch durch Kaltenkirchen zu führen zeugt schon von einer geringen Empathie gegenüber den betroffenen Bürgerinnen und Bürgern.

Was können die Kisdorfer in Angriff nehmen?
Die Kisdorfer Bürgerinnen und Bürger an den Durchfahrtsstraßen können zur Minderung der Verkehrslärmbelastungen Anträge auf Geschwindigkeitsreduzierungen und LKW-Durchfahrtverbote zumindest in den nächtlichen Ruhezeiten bei der Kreisverkehrsaufsicht in Segeberg stellen. Die Betroffenen haben dann Anspruch auf eine ermessensfehlerfreie Prüfung und wenn diese als unzureichend betrachtet wird, dann kann der Klageweg beschritten werden. Eine Erfolgsgarantie ist das letztendlich auch nicht, aber ein Versuch ist es wert.

Apropos Erfolg: Bei zusätzlichen Kosten von 500.000 € für REWE wird wohl die Gewerbesteuerausbeute für Henstedt-Ulzburg noch ein wenig geringer ausfallen …