Freitag, 21. Juli 2017

Rewe-Ansiedlung: Wie man werbewirksam Hindernisse abbaut, die gar nicht existieren - ein Kommentar

Wer heute den Regionalteil „Norderstedt“ des Hamburger Abendblatts oder die Segeberger Zeitung noch nicht gelesen hat, hier die Auszüge zum Thema „REWE-Ansiedlung“.

„Belastet wird aber Kisdorf: Etwa 60 Lkw pro Tag müssen dort ertragen werden. Weniger werden es nach Aussagen von Regionalchef Vogel, wenn die A20 fertig ist. Diese Fahrzeuge rollen über die Kreuzung Gutenbergstraße, die ausgebaut werden müsste. Darüber sind sich alle Beteiligten ohnehin einig“ (Frank Knittermeier: Rewe verbannt Lkw aus Gemeinde, Hamburger Abendblatt vom 21.07.2017, Regionalteil Norderstedt, S. 23)

„Richtung Kaltenkirchen werden 76 Lkw fahren, Richtung Kisdorf 58. Daran wird sich zunächst auch nichts ändern.“ (Nicole Scholmann: Rewe verspricht: Lkw meiden den Ort, Segeberger Zeitung vom 21.07.2017, S. 31)

Das sind die Aussagen nach der Vorstellung des neuen Verkehrskonzepts. Was fällt auf?

(1) Einigkeit in Bezug auf den Ausbau der Gutenberg-Kreuzung?

Falsch!

Es besteht keine Einigkeit, denn Kisdorf ist an diesem Ausbau beteiligt, weil dort auch Gemeindegebiet bereitgestellt werden müsste. Das haben Kisdorfs Gemeindepolitikerinnen und -politiker immer abgelehnt. Und warum will man hier Gelder in den Ausbau versenken, wenn doch der Lkw-Verkehr nach Fertigstellung der A20 an dieser Stelle wieder abnimmt?

(2) Bisher sollte Kisdorf mit 58 Lkw-Bewegungen pro Tag belastet werden, nach dem neuen Verkehrskonzept sind es…58. Es wird also vollmundig eine „Lkw-Sperrung für Rewe-Lkw“ für eine Strecke ab und bis Wesselkreuzung“ Richtung Henstedt-Ulzburg erklärt, die nie Gegenstand der bisherigen Planung war. So räumt man medienwirksam Hindernisse aus dem Weg, die gar nicht existent waren! Glaubwürdigkeit sieht wohl anders aus.

Und die zusätzliche Kostenbelastung von 500.000 €, die Rewe ebenfalls werbe- und imagewirksam auf sich nimmt? Hoffentlich belegt man zumindest den Henstedt-Ulzburger Gemeindepolitkern dezidiert und nachprüfbar diese Größenordnung, damit sie sich fundiert auf eine noch geringere Gewerbesteuerzahlung freuen können. So steht derzeit eine Zahl im Raum, mehr aber auch nicht.

Fazit:

Ulzburger Straße, Sengel, Dorfstraße, Segeberger Straße, der Kisdorferwohld erhalten im wahrsten Sinne des Wortes die volle Ladung! Wer noch auf eine Mengenverteilung ab der Wesselkreuzung in verschiedene Richtung gehofft hatte, der kann diese jetzt endgültig begraben.

Konsequent, ehrlich und glaubwürdig wäre es, wenn Rewe auch mit Kisdorf ein Lkw-Durchfahrtsverbot vertraglich vereinbaren würde. Die Bürgerinnen und Bürger hier haben den gleichen Schutz verdient, wir sind keine Bürgerinnen und Bürger zweiter Klasse und Kisdorf ist nicht das Lkw-Klo der Region.

414 prognostizierte "Rewe"-bedingte Pkw-Bewegungen blieben uns dann aber trotzdem noch täglich erhalten.


NETTO reicht schon!


Andreas Lübker


Weitere Kommentare

Herbert Wendland (24.07.2017)
Zu den Auswirkungen der Ansiedlung von Logistik-Unternehmen in Kisdorf´s Nachbarschaft hat Andreas Lübker am Beispiel REWE das Notwendige gesagt.
Als nach Kisdorf Zugezogener reibe ich verwundert meine Augen und frage mich, was hier los ist. Der Versuch einer Analyse.
Der Ansiedlungsdruck von Unternehmen im Hamburger Umland war und ist groß.
Was lag also näher, als die planerischen Grundlagen der Landesentwicklung so zu gestalten, dass ein starker Wirtschaftsraum Norderstedt-Henstedt-Ulzburg-Kaltenkirchen entstand. Das bedeutete Arbeitsplätze und Wohlstand für die Region und ihre Bewohner.
Einen Beitrag hierzu leistete in der Vergangenheit auch die Gemeinde Kisdorf durch Abgabe von Flächen ihres Gemeindegebietes in die Hoheit der Nachbargemeinden.

Ein Anfängerfehler ist den politischen Akteuren jedoch unterlaufen.
Sie haben die notwendige Verkehrsinfrastruktur, die bei der Entwicklung eines solchen Gebietes mit dazugehört, nur teilweise erstellt.

Das führt heute zu der grotesken Situation, dass die Gemeinde Kisdorf, in der Landesplanung als Wohngemeinde ausgewiesen, einen Großteil des Richtung Osten und Nordosten abfließenden und aus diesen Richtungen zufließenden LkW-Verkehrs zu erdulden hat. Die Ansiedlungsgemeinden partizipieren an den Steuereinnahmen, die Gemeinde Kisdorf trägt nicht mehr zu tolerierende Lasten durch den Verkehr mit Auswirkungen auf die Gesundheit ihrer Bewohner und die geplante Entwicklung des Ortes.

Die Fertigstellung der von verschiedenen Gruppierungen bekämpften A20 wird noch Jahre, wenn nicht sogar Jahrzehnte dauern, das Einkaufsverhalten von uns Menschen wird durch die Internet-Affinität zu weiterem Verkehr führen.

Fazit: Für den Erhalt der Lebensqualität der Region und ihres Umlandes ist eine Verlagerung des LkW-Verkehrs aus den Orten hinaus zwingend notwendig.
Dazu müssen sich die betroffenen Gemeinden und das Land S.-H. an einen Tisch setzen und schnellstmöglich Lösungen erarbeiten. Die Kirchturmpolitik muß ein Ende haben.


Werner Kreibich (27.07.2017)

Heiliger St. Florian, verschon‘ mein Haus, zünd‘ andere an!

Die Firma REWE hat Henstedt-Ulzburg ein Angebot gemacht, das es nicht ablehnen kann – da sind sie sich bei REWE wohl ziemlich sicher. Schließlich kennen sie die Kräfteverhältnisse in der HU Gemeindevertretung und wissen, wie diese tickt.

Man wolle sich dazu verpflichten, Henstedt-Ulzburger Straßen mit eigenen LKW weitgehend zu schonen bzw. Henstedt-Ulzburg zu umfahren. Dreimal darf man raten, zu wessen Nachteil dies geschehen wird.

Unausgesprochen bleibt die erhebliche Belastung der Gemeinde Kisdorf, in der an den Durchgangsstraßen bereits unzumutbare Schallpegel gemessen werden. Über die Schadstoffbelastung in dem engen Lichtraumprofil dieser Durchgangsstraßen spekuliert man z. Zt. noch. Daran ist in hohem Maß der Ziel- und Quellverkehr des Gewerbegebietes unserer Nachbargemeinde beteiligt.

Das Angebot der REWE an Henstedt Ulzburg ist eine Brüskierung der Gemeinde Kisdorf und ihrer Bürger. Die praktisch nicht erfolgte Konsultation und Kontaktaufnahme der Gemeindevertreter mit Kisdorf in dieser Frage, ist wiederum nichts Neues. Man redet allenfalls über aber nicht mit Kisdorf. Nachbarschaftspolitik nach Gutsherrenart.

Es ist hohe Zeit, ein LKW-Nachtfahrverbot für die Wohngemeinde Kisdorf zu erwirken, lärmmindernde Maßnahmen durch Geschwindigkeitsbegrenzung durchzusetzen und alle verkehrspolitischen Beschlüsse der GV zurückzunehmen, die geeignet sind, solche belastenden Logistikverkehre zu begünstigen und zu ermuntern. Bei Letzterem hat Kisdorf bisher leider versagt.